Preisgleitklauseln

 

Preisgleitklauseln kommen bei längerfristigen Verträgen (> 1/2 Jahr) und/oder stark schwankenden Marktpreisentwicklungen zum Einsatz. Das Gegenteil eines Preisgleitklausel-Preises ist der Festpreis.  Ein Vertragsabschluss auf Festpreisbasis gibt dem Einkäufer eine kalkulatorische Sicherheit für die vereinbarte Laufzeit des Vertrages.

 

Festpreise sind für Lieferanten immer dann interessant, wenn sie zukünftig sinkende Kosten erwarten oder er einen hohen Risikozuschlag durchsetzen kann.  Sie müssen also im Einzelfall entscheiden, wann welche Preisvariante die Beste ist.

 

Behalten Sie immer das Zusammenspiel zwischen Zeit und Preisveränderungen (hoch oder runter) im Auge.

 

Dringend abzuraten ist von allgemeinen Preisgleitklauseln der Lieferanten. Beispiele:

 

„Es gelten die am Tage der Lieferung festgestellten Börsenpreise.“ (Tagespreisklausel)

 

Sollte es während der Vertragslaufzeit zu Lohn- oder Materialkostenänderungen kommen, so sind wir berechtigt, die Preise entsprechend anzupassen.“ (unbestimmte Preisgleitklausel)

 

 

 

„Die Preise basieren auf heutigen Kosten. Steigen die Kosten bis zum Zeitpunkt der Lieferung, steigt auch der Preis. Sinken die Kosten bis zum Zeitpunkt der Lieferung, gilt der heute vereinbarte Preis.“ (einseitige Hausse-Klausel)

 

 

 

Die folgende Klausel ist für den Einkauf schon etwas günstiger:

 

 

 

„Die Preise basieren auf heutigen Kosten. Sinken die Kosten bis zum Zeitpunkt der Lieferung, sinkt auch der Preis. Steigen die Kosten bis zum Zeitpunkt der Lieferung, gilt der heute vereinbarte Preis.“ (einseitige Baisse-Klausel)

 

 

 

Bei der Bagatelleklausel wird bei Vertragsabschluss eine Preisober- und Preisuntergrenze festgelegt. Beispiel:

 

 

 

„Treten während der Vertragslaufzeit Preisveränderungen ein, werden diese nur wirksam, wenn der neue Preis vom vereinbarten Preis um mindestens – 2 % oder + 2 % abweicht.“

 

 

 

Die Nachteile der unbestimmten Klauseln können durch eine „definierte Preisgleitformel“ gemildert werden. Allerdings müssen Einkäufer und Verkäufer sich auf den genauen Inhalt der Formel einigen. Das kostet nicht nur Zeit, sondern setzt auch auf beiden Seiten eine Menge Fachwissen voraus. Eine Kostenelementklausel ist grundsätzlich wie folgt aufgebaut:

 

 

 

                        Mn             Ln

 

Pn = Pa ( a -------- + b -------- )

 

                        Ma              La

 

 

 

Pn =               neuer Preis

 

Pa =               alter Preis

 

a =                  Materialkostenanteil in %

 

Mn =               vereinbarter, neuer Materialpreis zum Zeitpunkt der Bestellung, Verarbeitung oder

 

                        Lieferung

 

Ma =              alter Materialpreis bei Auftragserteilung

 

b =                  Lohnkostenanteil in %

 

Ln =                vereinbarter, neuer Lohn zum Zeitpunkt der Arbeitsaufnahme oder Lieferung

 

La =                alter Lohn bei Auftragserteilung

 

a + b =           1

 

 

 

Beachten Sie: Bei diesem Beispiel handelt es sich um eine Total- bzw. Vollklausel, weil sämtliche Kostenelemente gleiten können. Bei der Partial- oder Teilklausel gibt es zusätzlich einen festen, unveränderlichen Preisbestandteil. Dieser konstante Faktor beinhaltet dann die während der Lieferzeit eher unveränderlichen Bestandteile eines Preises, wie zum Beispiel kalkulatorische Kosten, Abschreibungen, ... und natürlich den Gewinn.

 

 

 

                        Mn             Ln

 

Pn = Pa ( a -------- + b -------- + c )

 

                        Ma              La

 

 

 

c =                  fester Preisbestandteil

 

a + b + c =    1

 

 

 

 

 

In der einkäuferischen Praxis werden noch weitere Klausel-Varianten eingesetzt: Stoffgleit-, Lohngleit-, Anzahlungs- und Selbstbeteiligungsklauseln. Alle Kostenelementklauseln können zusätzlich undifferenziert (nur eine Material- und Lohnart) oder differenziert (verschiedene Material- und Lohnarten oder verschiedene Berechnungszeitpunkte) eingesetzt werden.