Lieferant berechnet Zuschläge, ohne diese vorher anzukündigen

 

Wenn in einer laufenden Geschäftsbeziehung in einer Rechnung (oder auch in einer Auftragsbestätigung) ein zusätzlicher und separat ausgewiesener Aufschlag – wie er auch immer heißen mag – auftaucht, ist dies als ein neuer Antrag des Lieferanten zu sehen. Widersprechen Sie dem Lieferanten nicht, akzeptieren Sie seinen neuen Antrag stillschweigend beziehungsweise durch schlüssiges Verhalten (hier das Bezahlen der Rechnung).

 

Wichtig: Die Kontrolle der Auftragsbestätigungen und Eingangsrechnungen muss klappen.

 

 

Wird die Rechnungskontrolle nicht vom Einkauf selbst durchgeführt, ist es unverzichtbar, dass die Kommunikation und der Informationsaustausch klappen. Die Rechnungskontrolle muss auf die aktuell vereinbarten Konditionen der Lieferanten zugreifen können. Bei jeder Abweichung von den hinterlegten Daten ist der Einkauf zu informieren.

Ein Praxisfall: Ein Chemieunternehmen bezieht per Tankzug Stickstoff. Seit mehr als ...

 

einem Jahr wird ein zusätzlicher prozentualer Energiekostenzuschlag – ohne vorherige Ankündigung und nähere Begründung – berechnet. Der Rechnungskontrolle hat den Einkauf über diesen Zuschlag nicht informiert. Er erfährt erst im Verlauf der Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung davon.

 

 

 

Was ist in so einem Fall zu tun?

 

 

 

Präsentieren Sie Ihrem Lieferanten eine Rückforderung und zwar über die Summe, die er vom ersten Tag der Zuschlags-Berechnung bis zum Erhalt der letzten Zahlung von Ihnen erhalten hat. Das Verhandlungsziel: Den Teuerungszuschlag streichen und - wenn es besonders günstig läuft – die Gutschrift der bisher gezahlten Summe. Berufen Sie sich auf den geschlossenen Vertrag – egal, ob mündlich oder schriftlich. Sie brauchen hier Ausdauer und müssen hartnäckig sein. Die Verkäufer wehren sich in solchen Fällen meist sehr heftig. Betrachten Sie dies einfach als Aufforderung weiterzumachen.

 

 

Wichtig: Der Lieferant muss hinterher das Gefühl haben, etwas gewonnen zu haben.

 

Fragen Sie den Verkäufer, warum er sich nicht getraut hat, offen mit Ihnen über den Zuschlag zu sprechen. Sie dürfen ihm ruhig sagen, dass Sie von dieser Art und Weise des Vorgehens enttäuscht sind und nicht wissen, wie Sie das jetzt interpretieren sollen. Bitten Sie ihn, Ihnen dabei zu helfen. Beispiel: „Was soll ich von diesem Vorgehen halten und Ihrer Meinung nach jetzt tun?“

 

Lassen Sie sich immer die Höhe und die Zusammensetzung des Zuschlags (egal wie dieser auch vom Lieferanten genannt wird) detailliert beweisen. Tut der Verkäufer das nicht, gehen Sie davon aus, dass der Zuschlag nicht berechtigt ist und sagen dies auch Ihrem Verkäufer.

 

 

 

Der richtige Umgang mit Legierungszuschlägen beim Edelmetall-Einkauf?

 

 

 

Ohne genaue Marktinformationen läuft hier nichts. Eine gute Informations-Quelle ist der Internet-Dienst Metalprices.

 

Die Legierungszuschläge werden von den Verkäufern fast immer mit der Entwicklung auf den Rohstoffmärkten und als Folge davon an den Rohstoffbörsen (LME, London) begründet. Auf den ersten Blick wirkt die Argumentation schlüssig. Die Lieferanten kalkulieren jedoch auf Wiederbeschaffungspreisen, obwohl Sie zu günstigeren Preisen ihr Lager gefüllt haben und/oder langfristige Kontrakte (mit und ohne Preisgleitklauseln) abgeschlossen haben. Sprechen Sie also mit diesen Lieferanten über sein eigenes Beschaffungsverhalten. Wenn der Verkäufer abstreitet so einzukaufen, lassen Sie sich einfach von ihm genau erklären wie er denn selbst einkauft. Es ist verständlich, dass Verkäufer es nicht lustig finden, wenn ein Kunde „hinter die Kulisse schaut“.

 

Kontrollieren Sie regelmäßig die Entwicklung der Rohstoffpreise, um diese Argumentation gezielt einsetzen zu können. Verlangen Sie vom Verkäufer Belege für jeden Cent, den er mehr von Ihnen haben möchte.

 

 

Praxistipp: Vergessen Sie nicht die Lieferanten daran zu erinnern die Preise zu senken, wenn die Rohstoffpreise fallen.